Hobbys – eine stille Kraft für Integration
Teile dein Hobby, teile deine Kultur.
Teil einer neuen Gesellschaft zu werden bedeutet mehr, als in einem Land zu leben, einen Job zu finden oder den Alltag zu bewältigen. Echte Integration beginnt dort, wo Menschen sich gesehen, wertgeschätzt und mit dem Ort verbunden fühlen, an dem sie leben. Die internationale Forschung sieht das ähnlich. Die OECD misst Integration heute anhand zahlreicher Indikatoren: nicht nur Arbeit und Einkommen, sondern auch Lebensbedingungen, gesellschaftliches Engagement und soziale Verbundenheit (OECD, Indicators of Immigrant Integration 2023: Settling In). Zugehörigkeit entsteht in vielen Lebensbereichen, und ein überraschend großer Teil davon wächst nicht über formale Systeme, sondern über ganz alltägliche menschliche Momente: Gespräche, gemeinsame Interessen, persönliche Geschichten und Hobbys.
Auf den ersten Blick wirken Hobbys wie reine Freizeitbeschäftigung. Tatsächlich machen Menschen einen aktiven Schritt ins gesellschaftliche Leben, sobald sie über das sprechen, was sie begeistert, ihr Können teilen, ihre Ideen ausdrücken oder sich rund um ein gemeinsames Interesse zusammenfinden. Kochen, Musik, Sport, Handwerk, Gärtnern, Fotografie, Literatur, Tanz, Spiele und Ehrenamt können Räume schaffen, in denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft begegnen, voneinander lernen und nach und nach Teil der Gemeinschaft werden.



Gemeinsame Interessen schaffen gemeinsame Verbindungen
Eine der größten Herausforderungen für Menschen, die in einer neuen Gesellschaft ankommen, ist der Aufbau eines sozialen Netzwerks. Eine neue Sprache, ungewohnte Regeln, andere Gewohnheiten und unbekannte soziale Codes können zögern oder isoliert fühlen lassen. Hobbys helfen dabei, weil sie natürliche, niedrigschwellige Räume für Begegnung schaffen. In einem hobbybasierten Umfeld begegnen sich Menschen nicht nur über Fragen wie „Woher kommst du?” oder „Was machst du beruflich?”. Sie begegnen sich über ein gemeinsames Interesse: dasselbe Gericht kochen, im selben Team spielen, dasselbe Lied singen, am selben Werkstück arbeiten. Die Verbindung, die daraus entsteht, ist gleichberechtigter und aufrichtiger.
Das ist wichtiger, als es klingt. Die Kommission für soziale Verbundenheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt in ihrem Bericht von 2025, dass Einsamkeit mit rund 871.000 Todesfällen pro Jahr in Verbindung steht, etwa 100 pro Stunde, und ungefähr jede sechste Person weltweit betrifft. Gemeinsame Aktivitäten sind eine der menschlichsten Antworten darauf. Eine Studie zur Freizeit von Eingewanderten zeigt, dass die Teilnahme an Hobbys sowohl die soziale Inklusion als auch die Lebenszufriedenheit stärkt. Auch die Sozialwissenschaft weist seit Jahrzehnten in dieselbe Richtung. Robert Putnams Arbeit zum Sozialkapital (Bowling Alone, 2000) beschreibt, wie gemeinsame Beschäftigungen „brückenbildende” Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen entstehen lassen, und eine wegweisende Auswertung von über 500 Studien kommt zu dem Ergebnis, dass direkter Kontakt zwischen Gruppen Vorurteile in der Regel verringert.
Sprache wächst im echten Leben
Das Erlernen der Sprache gehört zu den wichtigsten Teilen der Integration. Doch Sprache lernt man nicht nur aus Büchern, Kursen oder Prüfungen. Sie entfaltet sich am tiefsten, wenn sie in echten Situationen genutzt wird. In hobbybasierten Umgebungen wird Sprache zu einem natürlichen Bedürfnis: Man nutzt sie, während man ein Rezept erklärt, eine Idee teilt, die Regeln eines Spiels beschreibt oder einfach während einer Aktivität plaudert.
Solche Umgebungen nehmen die Angst, Fehler zu machen. Es geht nicht darum, perfekt zu sprechen, sondern darum, mitzumachen, zu teilen und gemeinsam etwas zu tun. Genau deshalb funktioniert ein Projekt wie der Darmstädter Internationale Chor so gut, ein offener Singtreff für Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografie, getragen von der Akademie für Tonkunst. Man übt gemeinsam Rhythmus, Klang und neue Wörter, und die gemeinsame Stimme trägt einzelne Fehler ganz leise mit. Sprache ist dann nicht mehr nur eine technische Fertigkeit, sondern ein Weg, Beziehungen aufzubauen.
Hobbys machen Fähigkeiten sichtbar
Hobbys können auch Türen ins Arbeitsleben öffnen. Viele von ihnen bauen übertragbare Kompetenzen auf: Disziplin, Kreativität, Kommunikation, Teamarbeit, Problemlösung, Geduld und Selbstorganisation, die alle auch im Beruf zählen. Teil eines Sportteams zu sein stärkt die Teamfähigkeit. Kunst und Handwerk belohnen Geduld und Ausdauer. Ehrenamt fördert Kommunikations- und Organisationsfähigkeit.
Hobbyräume erweitern außerdem Netzwerke. Wenn Menschen andere kennenlernen, erfahren sie von offenen Stellen, Weiterbildungen, ehrenamtlichen Rollen oder beruflicher Orientierung. Deshalb funktioniert Integration am besten, wenn wir sie als mehrdimensional verstehen: Soziale Beziehungen, Selbstvertrauen und Fähigkeiten fließen direkt in die wirtschaftliche Teilhabe ein und entwickeln sich selten unabhängig voneinander (OECD, 2023).
„Ich kann das": Selbstwirksamkeit
Menschen, die neu in einer Gesellschaft sind, fühlen sich manchmal unzulänglich, fremd oder passiv, und solche Gefühle erschweren Integration. Doch wenn jemand etwas erschafft, Wissen teilt, zu einer Gruppe beiträgt oder dafür Anerkennung erfährt, wächst das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit ist der Glaube an die eigene Fähigkeit zu handeln, zu lernen und Erfolg zu haben. Wie der Psychologe Albert Bandura zeigte (Self-Efficacy, 1997), ist sie einer der stärksten Antriebe für Motivation und Durchhaltevermögen.
Hobbys schaffen genau diesen Raum: einen Ort zum Gestalten, Ausdrücken, Teilen und Beitragen. Die Forschung bestätigt es. Menschen, die an aktiver und sozialer Freizeit teilnehmen, berichten von höherer Selbstwirksamkeit und besserer sozialer Anpassung. Integration verläuft in beide Richtungen: Eine Gesellschaft öffnet dem Einzelnen ihre Türen, und der Einzelne spürt: „Ich kann zu diesem Ort etwas beitragen.”
Von der Einsamkeit zur Verbindung: psychisches Wohlbefinden
Migration, Umzug und die Anpassung an ein neues soziales System können psychisch belastend sein. Getrennt von vertrauter Umgebung erleben Menschen mitunter Einsamkeit, Stress, Unsicherheit oder Ausgrenzung. Hobbys können dabei eine schützende Rolle spielen. Eine angenehme Tätigkeit bringt seelische Entlastung. Eine regelmäßige Aktivität gibt dem Tag Rhythmus und Struktur. Etwas gemeinsam zu tun lindert Einsamkeit.
Dieser Nutzen zeigt sich in der Forschung. Eine Studie zu einem von syrischen Geflüchteten angelegten Gemeinschaftsgarten ergab, dass gemeinsames Gärtnern und Kochen eine Gemeinschaft entstehen ließ und Sozialkapital, Wohlbefinden und Zugehörigkeit stärkte. Psychisches Wohlbefinden ist ein unsichtbares, aber wesentliches Fundament der Integration: Wer sich besser fühlt, engagiert sich viel eher aktiv in der Gesellschaft.
Mitgestalten statt nur zuschauen
Ziel der Integration ist mehr als bloßes Dasein in einer Gesellschaft: Es geht darum, zu aktiven und geschätzten Mitgliedern zu werden. Über Hobbys zeigen Menschen, wer sie sind. Wenn jemand ein traditionelles Gericht teilt, ein Musikstück vorstellt, ein Kinderspiel erklärt oder ein selbstgemachtes Objekt zeigt, findet kultureller Austausch statt, und zwar in beide Richtungen. So wird Gesellschaft nicht mehr nur ein Ort, an dem Unterschiede nebeneinander bestehen, sondern ein Raum, in dem Menschen voneinander lernen.
Das ist mehr als eine schöne Idee; Institutionen erforschen es und investieren darin. Die Forschung ist vorsichtig, aber ermutigend: Eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 in Sport Management Review hat die Evidenz dazu ausgewertet, wie Sport die Integration von Migrantinnen, Migranten und anderen benachteiligten Gruppen unterstützt, und eine breite Studienlage verbindet gemeinsames, kooperatives Tun mit mehr Interaktion und einem stärkeren Zugehörigkeitsgefühl. Auch öffentliche Stellen handeln danach. Die Europäische Kommission fördert Projekte, die Sport für die Inklusion von Geflüchteten nutzen, und in Deutschland tragen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Deutsche Olympische Sportbund das Programm Integration durch Sport, das heute mit rund 2.200 Vereinen bei einem Budget von 11,4 Millionen Euro pro Jahr arbeitet.
Ein ehrliches Wort: Zugehörigkeit muss gemeinsam aufgebaut werden
Wir tun nicht so, als stünde die Tür immer offen. Ein europaweites Feldexperiment ergab, dass Bewerberinnen und Bewerber mit ausländisch klingenden Namen messbar seltener zu einem Probetraining in Amateurfußballvereinen eingeladen wurden. Integration ist keine Einbahnstraße, und einladende Räume entstehen nicht zufällig. Sie werden bewusst geschaffen. Das ist die Arbeit, die Januam leisten möchte: den ersten Schritt erleichtern und Einheimische wie Neuankommende einladen, einander auf halbem Weg zu begegnen.
Der Ansatz von Januam: Teile dein Hobby, drücke deine Ideen aus, gib deine Kultur weiter
Bei Januam glauben wir, dass Integration mehr bedeuten sollte als bloße Anpassung an eine Gesellschaft. Sie heißt, ein aktiver und geschätzter Teil von ihr zu werden. Deshalb laden wir Menschen ein, über ihre Hobbys zu sprechen, ihre Ideen auszudrücken und ihre Erfahrungen zu teilen. Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen, eine Fähigkeit zu teilen und etwas Wertvolles beizutragen.
Ein Hobby kann der Anfang eines einfachen Gesprächs sein. Aus diesem Gespräch können eine Freundschaft, eine Lernerfahrung, mehr Selbstvertrauen und ein tieferes Zugehörigkeitsgefühl wachsen. Über Hobbys lernen sich Menschen nicht nur über ihre Identität, ihr Herkunftsland oder ihren Beruf kennen, sondern über ihre Interessen, Talente, Neugier und Träume. Das schafft ein aufrichtigeres, inklusiveres und menschlicheres Fundament für Integration.
Komm vorbei und teile deinen Flow
Wir würden dich gerne persönlich kennenlernen.
Datum & Uhrzeit: 30. Juni 2026, 18:00–19:30 Uhr
Ort: Januam, Rheinstraße 5, 64283 Darmstadt
Treffen: Gemeinsam Hobbys teilen und Gemeinschaft erleben
Ob Kochen, Musik, Gärtnern, Kunst, Fotografie oder einfach Geschichten teilen: Komm vorbei, lerne neue Menschen kennen und werde Teil unserer Gemeinschaft.
“Set free your flow.”
Integration wächst durchs Teilen
Hobbys sind leise, aber kraftvolle Werkzeuge der Integration. Sie unterstützen soziale Teilhabe, Sprachenlernen, den Zugang zur Arbeit, Selbstwirksamkeit, psychisches Wohlbefinden und aktives Mitwirken im Gemeinschaftsleben. Wenn Menschen etwas teilen, das sie lieben, tun sie mehr, als nur über sich selbst zu sprechen. Sie bauen Brücken zu anderen, und Gesellschaften werden über diese Brücken stärker.
Bei Januam laden wir alle ein, ihre Hobbys, Ideen, Erfahrungen und Kultur zu teilen. Denn Integration bedeutet nicht nur, am selben Ort zu leben. Sie bedeutet, gemeinsam zu sprechen, gemeinsam zu gestalten, gemeinsam zu lernen und zu spüren, dass wir zusammengehören.
Quellen
- OECD/Europäische Kommission (2023). Indicators of Immigrant Integration 2023: Settling In. OECD Publishing. – https://www.oecd.org/en/publications/2023/06/indicators-of-immigrant-integration-2023_70d202c4.html
- Weltgesundheitsorganisation (2025). From loneliness to social connection: charting a path to healthier societies – Bericht der WHO-Kommission für soziale Verbundenheit. – https://www.who.int/groups/commission-on-social-connection
- Lazcano, I., Madariaga, A., & Doistua, J. (2022). Leisure as a Space for Inclusion and the Improvement of Life Satisfaction of Immigrants. Journal of International Migration and Integration. – https://link.springer.com/article/10.1007/s12134-021-00917-y
- Kim, J., Heo, J., Lee, I. H., & Kim, J. (2021). The Effects of Leisure Activities on Self-Efficacy and Social Adjustment (Eingewanderte). International Journal of Environmental Research and Public Health. – https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8394616/
- Pettigrew, T. F., & Tropp, L. R. (2006). A Meta-Analytic Test of Intergroup Contact Theory. Journal of Personality and Social Psychology. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16737372/
- Putnam, R. D. (2000). Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community. Simon & Schuster.
- Bandura, A. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control. W. H. Freeman.
- Duan, Z., Hou, T., Liang, X., Kavussanu, M., & Chen, S. (2025). The use of sport for social integration amongst disadvantaged populations: a systematic review. Sport Management Review. – https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14413523.2025.2603799
- Gemeinschaftsgarten syrischer Geflüchteter – ein Ort sozialer Verbundenheit und des Wohlbefindens (2023). Wellbeing, Space and Society. – https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666558123000350
- Gomez-Gonzalez, C., Nesseler, C., u. a. „(Not) being granted the right to belong – Amateur football clubs in Germany” / „Mapping discrimination in Europe through a field experiment in amateur sport.” – https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/10126902211061303
- Internationaler Chor, Akademie für Tonkunst Darmstadt (in Kooperation mit der PaSo gGmbH). – https://akademie-fuer-tonkunst.de/neues-angebot-internationaler-chor/
- Europäische Kommission. Sport as a tool for integration and social inclusion of refugees (Erasmus+ / EU-Pilotprojekt). – https://sport.ec.europa.eu/node/161
- Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Integration durch Sport. – https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/EN/Integration/Integrationsprojekte/flyer-integration-durch-sport.pdf
- SPRING-Projekt (EU-gefördert). Civic Participation, Sports, Arts and Leisure – Überblick über europäische Forschungsergebnisse. – https://integrationpractices.eu/details/civic-participation-sports-arts-and-leisure
- Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) – Forschung zu Teilhabe und Integration in Deutschland. – https://www.svr-migration.de/











